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CD-DETAILS AERIAL VIEW [BLACKMAIL]

Blackmail

Aerial View [Rock / Alternative]


RELEASE: 13.01.2006


LABEL: City Slang

VERTRIEB: Rough Trade

WEBSITE: www.blackmail-music.com

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Es ist das fĂŒnfte Album der Rockband aus Koblenz. Wer sich mit den ersten vier Platten dieser Ausnahmegruppe bereits (bestens) auskennt, der möge bitte unten weiter lesen und den folgenden Abschnitt ĂŒberspringen. FĂŒr wen Blackmail aber ein eher noch unbeschriebenes Blatt sind, der könnte die sich anschließenden Zeilen interessant finden.


Blackmail fĂŒr AnfĂ€nger:
In Koblenz treffen sich Mosel und Rhein. Ein sehr hĂŒbscher, sehr deutscher Flecken Erde, der schon in den GeschichtsbĂŒchern erfasst war, als diese noch aus Stein gemacht wurden. Seit ein paar weniger Jahren treibt die Rockband namens Blackmail ihr Unwesen in dieser Idylle. Kleiner Beitrag zur Leitkultur-Diskussion: die Gruppe Blackmail besteht aus dem tĂŒrkischen SĂ€nger Aydo Abay, den beiden Halbspaniern Carlos und Kurt EbelhĂ€user an Bass und Gitarre, und dem Schlagzeuger Mario Matthias (offensichtlich ein Italiener ehrenhalber). Sind Blackmail deshalb eine Multikultitruppe? Nicht doch. Aber Blackmails globalisierte Rockmusik internationalen Zuschnitts ist mit allen Wassern gewaschen, nicht nur mit dem aus Rhein und Mosel.

Blackmail fanden sich Ende 1993, zu einer Zeit, als es Musikern noch half, in Zielgruppenzeitschriften eine Kontaktanzeige aufzugeben. 1997 erschien ihr selbstbetiteltes DebĂŒtalbum auf einem Label ihrer Nachbarschaft und schon im Februar 99 veröffentlichte die Band den Nachfolger „Science Fiction.“ Beide Platten wurden gebĂŒhrend gefeiert, man tourte unaufhörlich durch die Lande und es kam, wie es kommen musste: ein Major Label zĂŒckte das Scheckbuch. Folglich wurden die nĂ€chsten zwei Platten („Bliss Please“, Februar 2001, und „Friend Or Foe“, MĂ€rz 2003) mit der ganzen Force Majeur der Konzerne in die LĂ€den verschifft, in die Medien geprĂŒgelt, an die BauzĂ€une gehĂ€mmert und in die Rockdissen dieser Republik hinein getragen. Es entwickelten sich veritable Untergrund-Hits („Same Sane“ & „It Could Be Yours“) und die Band spielte weiterhin die Clubs und Festivals rauf und runter. Blackmail entwickelten sich in dieser Zeit zu einer der besten Livebands des Landes, was das Publikum dankbar registrierte. Im Jahr 2004 wurde der betreffende Konzern wieder mal umstrukturiert und umgebaut. Doch hatten da die Musiker lĂ€ngst erkannt, dass sie das System der Multis eigentlich nicht wirklich benötigen, um erfolgreich ihren Beruf auszuĂŒben - und man trennte sich gĂŒtlich.

Im Herbst des gleichen Jahres wurden uns bei City Slang fĂŒnf neue Demo StĂŒcke zugespielt, dieser Band Blackmail, die uns so recht nie aufgefallen war oder mit der wir uns einfach noch nie zuvor beschĂ€ftigt hatten. Doch was wir hier hörten, als Demoproduktion weit entfernt von Materialschlacht und großem Aufwand, das war sofort enorm prĂ€sent. Die Songs sprĂŒhten vor Spiel-Lust, hatten Hunger und Durst und waren glĂŒhende Verfechter der Hymne als Idee. Kurz, diese fĂŒnf Songs waren Anlass genug, uns mit Blackmail zu treffen. Was fanden wir?

Aydo Abay: ein SĂ€nger, auch unterwegs mit einem eigenen Bandprojekt namens KEN. Texter und die Stimme der Band.

Carlos EbelhÀuser: ein Bassist. Knarziger klingt kein Bass in deutschem Lande. Verwaltungsrat, Antriebswelle und Wirtschaftsministerium von Blackmail in Personalunion.

Kurt EbelhĂ€user: ein Gitarrengott (geschmackssicher). zudem (nicht nur) bei Blackmail VisionĂ€r, Arrangeur, Produzent und Pedant. Angeblich sind bei den AutoritĂ€ten Koblenz‘ 60 Verfahren gegen ihn anhĂ€ngig. Wir glauben kein Wort. Siehe auch: „Scumbucket“

Mario Matthias: ein Schlagzeuger. Treibt den ganzen Laden immer und stĂ€ndig vor sich her. Kann auch schreinern und Bus fahren. Weitere BestĂ€tigung des Sprichworts „ein guter Drummer ist die halbe Miete...“

Als wir dann noch feststellen durften, dass bei dieser Band alles, was sie tut, leidenschaftlich ernst gemeint ist und von Herzen kommt, da mussten wir einfach zuschlagen.

Jetzt, knapp ein Jahr spĂ€ter, dĂŒrfen wir Vollzug melden. Und nicht nur das...


Blackmail fĂŒr Fortgeschrittene:

Was also ist in der Welt von Blackmail geschehen, seit der Veröffentlichung des letzten Albums „Friend Or Foe“? Nun, um es kurz zu machen: die Welt wurde erobert (zumindest der japanische Teil – ja wirklich, Blackmail sind jetzt offiziell Big In Japan – da gibt es Einiges zu erzĂ€hlen). Die Plattenfirma wurde gewechselt (s.o.). Jeweils neue Alben von Ken sowie Scumbucket wurden aufgenommen, veröffentlicht und es wurde kurz aber heftig getourt. Kurt ist zu einem der gesuchtesten Produzenten fĂŒr Gitarrenmusik im deutschsprachigen Raum avanciert. Das bandeigene Studio gilt mittlerweile als hard to get...

Und dennoch haben sich Blackmail zum allerersten Mal in ihrer Band-Historie einen Produzenten „von außen“ geholt. Einen, der einen anderen Blick und ein anderes Ohr auf die Sache wirft. Im FrĂŒhjahr 2005 haben Blackmail zusammen mit Lee Buddah den Soundtrack zum preisgekrönten Spielfilm „Kammerflimmern“ beigesteuert. Im FrĂŒhsommer sind die Vier nach Galizien gefahren, um Songs zu schreiben. Im ganzen Sommer wurde im bandeigenen Studio zusammen mit dem Berliner Produzenten Andi Jung an den Songs gearbeitet. Aufgenommen. Verworfen. Noch mehr aufgenommen. Aydo sang im August in Berlin auf einem Hausboot seine Vocals ein. Kurt und Andi gingen ans Mixen im September und im Oktober - und jetzt endlich liegt das Album vor uns.

Einmal mehr sprengen Blackmail ihr eigenes rockmusikalisches Wertesystem, lassen völlig neue Töne aufmarschieren, schreiben ihre hymnenartigen Songs auf noch höherem Niveau. Erlauben sich von dieser schwindelerregenden Höhe einen distanzierten Blick auf die Dinge und nennen das Epos folgerichtig „Aerial View“. Ein Album, das mit der (schon) gewohnten Wuchtigkeit auf seinen Hörer zumarschiert, das aber schon nach dem verstörenden Intro in Akkorden schwelgt, die man so von Blackmail vorher noch nie hören durfte. Und schon im ersten Song („Moonpigs“) warten Blackmail und ihr Produzent mit unangemeldeten MĂ€nnerchören auf, die verstörend lakonisch den totalen Kontrollverlust ankĂŒndigen. Großartig! Im weiteren Verlauf der Platte kicken Blackmail hier mit ungewohnter Garagigkeit (das Wort musste jetzt gerade erfunden werden), fackeln dort ELO-GedĂ€chnismomente ab („Splinter“), feiern Moog-Orgien („Meddlesome“), bauen den wohl schönsten musikalischen Moment mitten in „Couldn’t Care Less“ ein, dem sie einen Zusammenbruch unter Posaunen spendieren, um dann nach dem Break das euphorisierendste StĂŒck Rock-trifft-BlĂ€ser seit den seligen Saints zum GlĂŒhen zu bringen. Legen in „Soulblind“ den bauchigsten Led Zeppelin Groove vor, den die Rockdisko an der Ecke in dieser Saison hören wird, und und und. Sie tĂŒrmen GitarrenwĂ€lder aufeinander, als seien sie Brennholz - und jetzt neu - sie tĂŒrmen auch Aydos Stimmen zu Harmonien und ungehörten Vokal-Arrangements auf, dass es eine wahre Freude ist. Sie liefern weiterhin eine Nummer („Away With The Fairies“), basierend auf einem Metal-Schlagzeugbreak aus der Rundfunk- und Fernsehwerbung, die nach hinten raus aus jedem Hörer einen Luftschlagzeuger macht (garantiert!), außerdem feiern wir The Return Of The Powerballade (aber sie ist wirklich unfassbar gut!) und noch extrem viel mehr.

Zusammengefasst eine solchermaßen euphorisierte und gleichzeitig euphorisierende RRRock-Platte derart opulent dargereicht, dass sogar uns hier schwindelig wird. Dabei, und das ist uns besonders wichtig: Ein Rock, der jeden Verdacht auf Hodigkeit weit von sich weist...!

Blackmail stellen sich mit „Aerial View“ in die Reihe von Bands, die sich, sobald sie bei uns gelandet sind, zu ihren absolut inspiriertesten Großtaten haben aufschwingen können (s.a. Notwist, Nada Surf etc. pp). An uns kann das wirklich nicht liegen, halten wir uns doch geflissentlich aus den Studios heraus. Aber es ist ein Verhaltensmuster, das uns auffĂ€llt. Und nicht das Schlechteste. Wir vermuten, dass es die besondere Chemie zwischen Band und Produzent war, die dieses Album erst möglich gemacht hat. Sie werden es uns berichten, wenn wir sie das nĂ€chste Mal sehen. Bis dahin drehen wir noch mal die LautstĂ€rke ein StĂŒckchen hoch und feiern einfach mit dieser Platte mit! Yeah!


Bandbesetzung:
Aydo Abay - Gesang, Keys
Kurt EbelhÀuser - Gitarre
Carlos EbelhÀuser - Bass, Fuzz Bass
Mario Matthias - Drums

Discographie:
Blackmail (1997)
Science Fiction (1999)
Do Robots Dream Of Electric Sheep - Science Fiction Remixes (2000)
Bliss, Please (2001)
SiCD: Same, Sane (2001)
SiCD: Ken I Die (2001)

(Quelle: verstÀrker medienmarketing gmbh, 6.1.2006)


FORMAT: CD


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