Still und leise hat sich die junge Schwedin mit ihren akustischen Independent-Balladen auch bei uns in Deutschland zu einer unĂŒberhörbaren Musik-GröĂe entwickelt. SpĂ€testens seit ihre Songs in Wallander-Krimis zu hören waren, ist ihre Stimme ein Erkennungszeichen. Ihre neuen Songs des Albums "The Night Visitor", in Nashville mit vielen Folk- und Rock-Urgesteinen, wie Matt Sweeney und Dave Ferguson, aufgenommen, und einer ramponierten Gibson-Gitarre aus den 1930ern im GepĂ€ck, sind ihre eingĂ€ngigsten und ergreifendsten. Anna Ternheims viertes Album illustriert in gewisser Weise die Essenz ihres Wesens: sie ist eine alte Seele mit einem furchtlosen, fast schon kindischen Verlangen nach dem Unerforschten. Sie singt wie ein irdischer Engel von Niederlagen und Siegen, Bekannten und GefĂ€hrten, Leben und Tod.
âThe Night Visitorâ wurde bereits als ein Album beschrieben, das Geschichten erzĂ€hlt. Das ist natĂŒrlich eine ebenso akkurate wie offensichtliche Bezeichnung, wenn es um Musik mit Texten geht. Wenn es nach Anna ginge, dann wĂŒrde diese Bezeichnung aber fĂŒr die meisten Aufnahmen treffend sein, auch fĂŒr solche ohne Worte.
Anna: âSchon als Kind zogen mich die Harmonien und Texte alter Volkslieder an. Ich kannte die gesamten Lyrics von âScarborough Fairâ auswendig, als ich vier Jahre alt war. Matt spielte mir âThe Night Visiting Songâ von Luke Kelly vor, und ich liebte das StĂŒck sofort. Es besaĂ genau dieselbe AtmosphĂ€re, und wir dachten beide, dass es ein guter Titel fĂŒr das Album sein wĂŒrde.â
Anna Ternheim besteht darauf, dass alle Geschichten auch vom Ohr und Auge des Rezipienten abhĂ€ngen. Deshalb legt sie Wert darauf, gewisse Dinge bewusst auszusparen, um zwischen den luftigen Schichten Raum fĂŒr Interpretationen zu lassen. Das bedeutet keinesfalls, dass die Songs nicht voller lebhafter Bilder sind, die charmant mit Einfachheit verschleiert wurden. In dieser Beziehung mag der Song âBow Your Headâ das heimliche Paradebeispiel des Albums sein. Es ist eine eindringliche, epische Hommage an die Schönheit der Natur, den Tag mit einem Liebenden zu verbringen und sich vollkommen unbewusst zu sein, was die Zukunft bringen mag. In âWalking Aimlesslyâ möchte sich Ternheim nur treiben lassen, und sie erhofft sich, dass sich die Leute, wann immer sie das Lied hören, genauso treiben lassen und ihren eigenen sicheren Hafen im Raum schaffen. Und dann gibt es da noch Songs wie das Duett âThe Longer The Waiting, The Sweeter The Kissâ, das von Pat McLaughlin geschrieben wurde und das Anna zusammen mit Dave Ferguson, dem Besitzer des Studios, in herzergreifender Aufrichtigkeit sang.
Dave Ferguson: âWir waren im Studio, um uns erst einmal wirklich kennenzulernen, als Matt Sweeney mich an diesen Song erinnerte. Matt Sweeney ist einer der produktivsten Musiker der Welt. Ich hatte das GlĂŒck mit einigen ziemlich groĂartigen Leuten zu arbeiten ... ich selbst bin ein ganz normaler Typ, aber Matt ist wirklich groĂartig. Ich sang die Nummer also, als wir dort zusammen saĂen, und Anna gefiel sie. Sie fing sofort an mitzusingen. Es ist eines meiner absoluten LieblingsstĂŒcke. Und ich liebe die Aufnahme, die wir von ihm gemacht haben! Jetzt braucht es niemand mehr aufzunehmen. Matt, Anna und ich haben entschieden, Anna in dem Song zum Skipper zu machen. Sie ist eine fantastische Skipperin! Ich kann es nicht abwarten, wieder mit ihr zu arbeiten. Eigentlich sollte ich das gar nicht Arbeit nennen ...â
Das Album âThe Night Visitorâ sollte wunderbar sein. Es sollte aber auch eine gewisse Frechheit besitzen und mehr als alle vorausgegangenen Alben Ternheims eine Live-AtmosphĂ€re ausstrahlen. Die Stimmen wurden deshalb mutig zusammen mit den Gitarren aufgenommen. Eine solche Chuzpe legen heutzutage nur noch sehr wenige Musiker an den Tag.
Anna: âIch wollte diesem Album eine unmittelbare und zeitlose QualitĂ€t verpassen. Ich wollte, dass meine Stimme hervorsticht und dass die Instrumente wie Instrumente klingen. Es war absolut erstaunlich, mit Ferg, Matt und all den Musikern zusammenzuarbeiten. Der Klang steckte in den StudiowĂ€nden, in den Fingern und Hirnen dieser Leute. Kenny Malone ist der erste Schlagzeuger, der mich, bevor er einen Song spielte, um die dazugehörigen Lyrics bat, weil es ihm so leichter fiel, den âHerzschlag und die tiefere Bedeutungâ eines StĂŒckes zu erfassen.â
Anna Ternheims viertes Album illustriert in gewisser Weise die Essenz ihres Wesens: sie ist eine alte Seele mit einem furchtlosen, fast schon kindischen Verlangen nach dem Unerforschten. Sie singt wie ein irdischer Engel von Niederlagen und Siegen, Bekannten und GefÀhrten, Leben und Tod.
âAlle Jubeljahre einmal taucht jemand auf, der viel Talent, Know-How und wunderbare Songwriting-FĂ€higkeiten besitzt, aber auch offen fĂŒr die Ideen anderer ist, die guten wie die schlechten. So offen, dass er sich auf Unbekanntes einlĂ€sst. Man geht ins Studio, baut die Mikrophone auf, schaltet sie ein und WOW. Es kommt etwas Wunderbares aus den Lautsprechern. Wie von einem Singvogel, von einem wundervollen Singvogel. Sie wird in Nashville immer willkommen sein. Cowboy Jack Clement fand sie fantastisch. Und der irrt sich NIE.â (Dave Ferguson, Toningenieur & Duett-Partner)
Einige von Annas wichtigsten Musikern und Partnern auf diesem Album: Matt Sweeney, Produzent/Gitarrist (Arbeitete unter anderem mit Rick Rubin, Johnny Cash, Cat Power, Billy Corgan, Bonnie âPrince Billyâ und den Dixie Chicks), Dave Ferguson (âFergâ), Toningenieur/Duett-Partner/Studiobesitzer/Musiker (Arbeitete viel mit Johnny Cash. Produzierte StĂŒcke fĂŒr U2s âRattle And Humâ-Album und erschien auch in dem gleichnamigen Dokumentarfilm), Will Oldham, Backing-Gesang (Auch unter dem BĂŒhnennamen Bonnie âPrinceâ Billy bekannt), Cowboy Jack Clement, Resonatorgitarre (80-jĂ€hrige Legende, die Jerry Lee Lewis entdeckte, als Produzent fĂŒr Sam Phillips bei Sun Records tĂ€tig war und auch Tracks/Alben mit U2, Townes Van Zandt und Waylon Jennings produzierte), Tim OÂŽBrien (Violine), Ronnie McCoury (Mandoline), u.v.m.