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WEBSITE: www.robyn.com
âMan kann sie nicht aufhalten. Man kann sie nicht abschalten. Man kann ihr nicht aus dem Weg gehen. Man wird sie nicht los. Deshalb fordere ich Sie, sehr geehrter Herr oder sehr verehrte Dame, höflich auf: WĂŒrden Sie bitte verdammt nochmal lauter stellen?
Ich stelle vor: Die wie Phoenix aus der Asche gestiegene Königin der Bienenköniginnen, die mit einem Score von ĂŒber zwei GAZILLIONEN unumstrittene Weltrekordhalterin in Tetris, zweifache NobelpreistrĂ€gerin als coolste supersexy Frau aller Zeiten und gerissene Consigliora im Bandenkrieg der Cosa Nostra. Sie ist die GrĂŒnderin und Chefin von Konichiwa Records. Die höchstdekorierte Heldin der StraĂe, mit einem makellosen Ruf seit Kindergartenzeiten,
als sie Schuljungs immer den Arsch versohlte. In dieser Welt voll Anspannung, Stress und Schmerz ist sie berĂŒhmt fĂŒr ihr MitgefĂŒhl, ihre Weisheit und ihren unnachgiebigen Willen auf ihrem Kreuzzug fĂŒr Cash.â
- Audio Communiqué der Konichiwa Records Schaltzentrale -
Sie ist Robyn, der mörderischste und gewinnendste Popstar der Welt. Eine bierglasgroĂe Atombombe, hoch dosiert bis zu den elektrisierten Nippeln. Sie versprĂŒht ihre Weisheit in dreiminĂŒtigen, modernistischen Pop-Bulletins mit post-adoleszenter PrĂ€gung. Ihr Album âRobynâ ist eine Sammlung von ultraprĂ€zisen Popmomenten, und seltener Vertreter der raren Spezies âechtes und ĂŒberzeugendes Pop Albumâ. Mit einem traurigen LĂ€cheln und immer vollen Akku feuert sie ihre atomaren Geschosse ab. Pop ist ihre stĂ€rkste Waffe.
Robin Miriam Carlsson wurde 1979 in Stockholm geboren. Die ersten sieben Jahre ihres Lebens verbrachte sie âon tourâ mit ihrer Mutter, der Schauspielerin und ihrem Vater, dem Regisseur einer konstruktivistischen Theatergruppe. Mit 13 Jahren wurde sie von der schwedischen PopsĂ€ngerin Meja entdeckt, als sie in einem Schulprojekt ein trauriges Lied ĂŒber die Scheidung ihrer Eltern sang. Kurz darauf wurde sie von BMG unter Vertrag genommen. Ihr DebĂŒtalbum mit R&B beeinflusstem Pop entstand unter Mithilfe des spĂ€teren Britney-Hitproduzenten Max Martin. Der weltweite Erfolg ihrer sĂŒĂen und seelenvollen Hitsingle âShow Me Loveâ machte sie 1997 zum international gefeierten Popstar.
Schockiert vom mangelnden Vertrauen ihres Labels und Entzug der kĂŒnstlerischen Kontrolle, wechselte Robyn mit ihrem dritten Album zu Jive Records â nur um dort neuerlich enttĂ€uscht zu werden. Ihr Material wurde an den amerikanischen Markt angepasst und in die x-te, vorfabrizierte und 2002 vorherrschende Pop/R&B-Schablone gepresst. âMein drittes Album war ein riesengroĂer Kompromissâ, sagt sie. âIch war an dem Punkt angelangt, wo es einfach keinen SpaĂ mehr machte. Wenn du deine Songs erst einmal der Plattenfirma ĂŒbergeben hast, verlierst du endgĂŒltig die Kontrolle. Ich habe diese Situation einfach nur gehasst. FĂŒr mich war das ein groĂer RĂŒckschritt: Statt mehr Freiheit hatte ich weniger. Ich konnte immer weniger das tun, was ich wollte.â
2003 kehrte Robyn den USA frustriert den RĂŒcken und ging zurĂŒck in Schwedens Hauptstadt. Kurz nach ihrer Ankunft fiel ihr eine CD in die HĂ€nde: das DebĂŒtalbum eines mysteriösen Stockholmer Geschwisterduos mit dem Titel âDeep Cutsâ. Sie war fasziniert von deren leidenschaftlichen, fast halluzinatorischen Interpretation von Popmusik, die sich durch groĂe Klarheit und warme Textur auszeichnete. Karin Dreijer Andersson und Olof Dreijer aka The Knife hatten mit âDeep Cutsâ ein neues Modell fĂŒr die Popmusik der Zukunft geschaffen. âIch war richtig perplexâ, sagt Robyn noch heute voll Begeisterung. âIch wusste sofort, das war das Beste, was ich in den letzten Jahren gehört hatte. Ich dachte nur noch, wow, genau danach habe ich immer gesucht. Und dann war das auch noch schwedisch!â
Voller Enthusiasmus bei dem Gedanken, zu welcher Kernschmelze es kommen wĂŒrde, wenn sie nur ihre eigene Form von ehrlicher, schnörkelloser Popmusik in The Knifeâs brodelnden Kreativreaktor einbringen könnte, kontaktierte Robyn die Geschwister Karin und Olof. Und die gingen sofort mit ihr ins Studio, um an einer potentiellen Single zu arbeiten. Das Ergebnis: âWhoâs That Girlâ â unzweifelhaft eine der besten Pop-Singles der letzten fĂŒnf Jahre! WĂ€hrend Robyn sich ins Zentrum von The Knifeâs ĂŒberlegenem, architektonischem Synthiepop begab (ein stĂ€ndig variierendes, ineinander verzahntes Gitternetz nuancierter Klangfarben und Beats, hart genug, um sich daran die Knöchel zu brechen), lieĂ Robyn ihrer angehĂ€uften Frustration, Unsicherheit und Verzweiflung freien Lauf. Mit jeder einzelne Strophe machte sie ihrer vertraglichen Knebelsituation Luft, aber diese individuell aufgestaute Energie spricht jeden gleichermaĂen an - vor allem natĂŒrlich alle Frauen, die sich von der Launenhaftigkeit der von MĂ€nnern dominierten Wirtschaftswelt, von der Musikbranche ĂŒber die Modewelt bis in den Alltag hinein, unterdrĂŒckt und ausgenutzt fĂŒhlen.
Mit âWhoâs That Girlâ lernt Robyn zu fliegen. Ihr entfesselter Zorn wirkt wie Raketentreibstoff fĂŒr die unzerstörbare TitanhĂŒlle der unterlegten Beats und knochentrockenen Arrangements. Und obwohl Robyn immer schon ihre eigenen Songs geschrieben hatte, ist dieser krasse, fast schon brutale Popsong vielleicht der erste echte Robyn-Song.
Unglaublich, aber wahr: Ihr Plattenlabel lehnte den Song knallhart ab. âDie konnten einfach nichts damit anfangen â, seufzt Robyn. âWahrscheinlich haben sie die Musik einfach nicht verstanden. Der Song fiel wohl aus deren Raster von Pop, was einfach Bullshit ist. Der Song war einfach Popmusik, wie sie sein sollte - moderne, kreative Musik!â
Völlig entnervt und kurz davor aufzugeben, machte Robyn sich damit vertraut, wie ihre neu gefundenen Freunde Karin und Olof ihre Veröffentlichungen selbst finanzierten und veröffentlichten. Und Robyn wagte den mutigen und bisher in der Welt des Mainstream-Pop noch nie unternommenen Schritt, sich einfach aus ihrem Plattenvertrag frei zu kaufen. âAlso war ich frei und ungebunden. NatĂŒrlich konnte ich jetzt nicht einfach hingehen und mich von einem anderen Major unter Vertrag nehmen lassen. Das wĂ€re totaler Quatsch gewesen. FĂŒr mich gabâs nur die Alternative: Entweder ganz aufhören oder meine eigene Plattenfirma grĂŒnden.â
Schon sechs Monate spĂ€ter war Robyn GrĂŒnderin und Chefin von Konichiwa Records. In ihrem SchminktĂ€schchen hatte sie mit âWhoâs That Girlâ den Grundstein fĂŒr ein neues Album, das endlich ihre ganz eigene Angelegenheit wĂ€re. Und sie hatte einen neuen Kumpel gefunden: Klas Ă
hlund, den Mastermind von Teddybears, Stockholms faszinierender Selfmade-Popband, die schon Stars wie Annie, Neneh Cherry, Iggy Pop und Mad Cobra an den Mikrofonen hatte. âIch hĂ€tte vorher nie gedacht, dass wir irgendwie zusammen arbeiten könnten,â sagt Robyn. âWeil, was Teddybears macht, das ist irgendwie (und dabei lacht sie) Jungsmusik. Dass er die Perspektive einer Frau einnehmen könnte, wĂ€re mir im Traum nicht eingefallen.â
Aber das Erste, was Klas dann einbrachte, war das Grundarrangement zu einem Song, der von intensiver, unerwiderter Liebe handelte - und dem Robyn auf unnachahmliche Art ein Gesicht verlieh. Der Song âBe Mine!â ist einfach wunderschön und voll heftigem Verlangen. Jedes Wort, das Robyn singt (âItâs a good thing tears never show in the pouring rain/As if a good thing ever can make up for all the painâ), klingt, als ob sie ihre Notizen wie den gröĂten Schatz eng an ihrem Herzen getragen hĂ€tte, schon völlig zerknittert und an den RĂ€ndern eingerissen. In der Middle-Eight bricht der Song einfach weg und schafft so Raum fĂŒr eine Art lyrisches Polaroid, das unerbittlich am Herzen des atemlosen Hörers nagt: âI saw you at the station. You had your arm around whatshername. She had on that scarf I gave you, and you got down to tie her laces. You looked happy - and thatâs great. I just miss you, thatâs all.â
âIch wollte mich wieder fĂŒhlen wie mit 15 oder 16, einer Zeit, als groĂe Emotionen noch wirklich groĂ waren, als verliebt zu sein in turmhohen Buchstaben geschrieben wurde und ein gebrochenes Herz fĂŒr immer untröstlich schien. Denn diese IntensitĂ€t erwarten die Menschen von Musikâ, erlĂ€utert Robyn. âZumindest geht es mir selbst so, wenn ich Musik höre.â Die sparsamen Arrangements und die zurĂŒckhaltende Produktion von âBe Mine!â machen die einfach erzĂ€hlte Geschichte umso brutaler - mit wenigen Streichern, die nadelfeine Schnitte setzen, hörbarem Atmen und zahlreichen Seufzern, sowie einer programmierten Drum, die in ihrem Flattern an rasenden Pulsschlag erinnert...âTrotz aller Neuartigkeit wollte ich immer noch Popmusik schreibenâ bekrĂ€ftigt Robyn. âAber ich wollte die Arrangements schlicht halten, mit sparsamen Mitteln arbeiten und das Ergebnis knallhart und messerscharf klingen lassen.â
Robyn mag gegenwĂ€rtig die aufregendste Labelchefin der Szene sein, aber sie bewegte sich lange auf dĂŒnnen Eis: die EinkĂŒnfte ihres ganzen bisherigen Lebens eingesĂ€t und untergepflĂŒgt in einen einzigen Traum! Der umkĂ€mpfte Konflikt zwischen ersehnter Befreiung und banger Furcht hat nicht nur Robyns Verstand wach gerĂŒttelt, sondern auch ihre CharakterzĂŒge polarisiert. WĂ€hrend eine Seite in Robyns Wesen als cooles, aufmĂŒtziges âbad girlâ in Erscheinung tritt, offenbaren ihre sanften Balladen eine ganz andere Seite: die eines vertrĂ€umten, immer ein wenig traurigen kleinen MĂ€dchens. âMein Sternzeichen ist Zwilling. Vielleicht erklĂ€rt das so Manches!â lĂ€sst Robyn wissen. âWeil ich nun mal so extrovertiert bin, denken die Leute, dass ich immer 100%ig sicher bin, was ich will und was ich nicht will. Aber das ist ganz und gar nicht so. Eigentlich stelle ich mich die ganze Zeit selbst in Frage. Das perfekte Beispiel ist mein Song âKonichiwa Bitchesâ. Ich habe den Song geschrieben, weil ich so ein Angsthase war. Ich wusste nicht wohin und dachte stĂ€ndig, verdammt, was soll ich nur tun? Um dieses schreckliche GefĂŒhl zu ĂŒberwinden, musste ich mir selbst auf die Schulter klopfen und mir sagen, dass ich der heiĂe ScheiĂ bin, einfach das Best Girrrl In The World!â
âKonichiwa Bitchesâ ist Robyns âTrademark Soundâ. Ăber verpixelte Hip-Pop Beats packt Robyn aus wie eine lebendig gewordene Manga-Version von Missy Elliott. Der Song ist inspiriert von Bugs Bunny, wenn er sich mit ĂŒbergroĂen Boxhandschuhen daran macht, Yosemite Sam zu attackieren. Robyn beschreibt die Sache als ein âKonzentrat von AttitĂŒdeâ und erklĂ€rt: âDas ist wie ein Baby-Ninja! Mit wirklich gefĂ€hrlichem Aussehen, aber richtig klein und sĂŒĂ! Wie ein kleines Kind mit einem ĂŒberdimensionierten Spielzeug-Maschinengewehr.â SchlagkrĂ€ftig und kontrovers. Wie Robyn.
Ihr Album âRobynâ steht in gewisser Weise symbolhaft fĂŒr die Tendenz einer autonomer geprĂ€gten Pop-Industrie - mit KĂŒnstlern, die eher kreative, gleichberechtigte Partnerschaften eingehen als sich von Majors bevormunden zu lassen. So sagt Robyn: âDas ist die Zukunft! Ich glaube sowieso nicht, dass es in fĂŒnf Jahren noch groĂe Plattenfirmen gibt. Oder in drei Jahren. Die Typen haben sich nicht auf diese Welt eingestellt, wo man einfach Musik downloaded und nichts mehr kauft, wenn es einem nicht 100%ig gefĂ€llt. Wahrscheinlich haben sich die Plattenbosse immer unsterblich gefĂŒhlt in ihrem GröĂenwahn (Robyn trommelt sich dabei wie Tarzan auf ihre Brust) und haben geglaubt, sie könnten mit ihrem Geld einfach alles kaufen.â
Am Ende des Tages erzĂ€hlt âRobynâ die einfache Geschichte einer zierlichen, aber mutigen blonden Frau, die sich ihren Weg durch den Major-Bullshit gesprengt hat, um ihre aufregende, tiefgrĂŒndige und vor allem ehrliche Art von Popmusik zu prĂ€sentieren. Es ist Musik, die ganz ihr selbst gehört, Musik mit einer einfachen Botschaft: Sei dein eigener Star!
(Quelle: Ministry of Sound)
FORMAT: Doppel-CD
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