The United Nations Of Pop â oder: Wie bringt man die jungen Leute trotz Rezession zum Tanzen? Im noch gar nicht so lange zurĂŒck liegenden Mai 2010 demonstrierte das Popduo Madcon (in Zusammenarbeit mit dem Eurovision Song Contest und dem norwegischen TV-Sender NRK), wie man mit KreativitĂ€t, Technologie und Musik Menschen dazu bringen kann, die trĂŒbe Rezessions-Stimmung weg zu tanzen. Der europaweite Dance-Flashmob zum Song âGlowâ, der von Millionen Zuschauern in ganz Europa verfolgt wurde, ist mittlerweile ein TV-Klassiker, und in der Folgezeit machte die Single sogar der ESC-Siegerin in vielen LĂ€ndern des Kontinents charttechnisch das Leben schwer. Noch wĂ€hrend die meisten Musikfans in aller Herren LĂ€nder ihren Monsterhit âBegginââ in bester Erinnerung hatten, gelang es dem Duo, seine internationale Karriere-Bilanz noch einmal ganz erheblich aufzuhĂŒbschen â und das in Zeiten, wo im Musikbusiness so etwas wie eine Follow-Up-Garantie kaum mehr existiert.
Hilfreich fĂŒr den Erfolg des Duos waren und sind die internationalen Roots der beiden Mitglieder. Tshawe Baqwas Eltern stammen aus SĂŒdafrika, er wurde 1980 in Deutschland geboren und wuchs in einem Vorort der norwegischen Hauptstadt Oslo auf. Yosef Wolde-Mariam erblickte zwei Jahre zuvor in Norwegen das Licht der Welt, seine Eltern kommen aus Ăthiopien und Eritrea.
In einer Ăra, in denen Politiker mehr denn je damit zu kĂ€mpfen haben, das Vertrauen der WĂ€hler zu gewinnen, ist es gar kein so abwegiger Gedanke, Musiker wie Madcon als eine weitaus vertrauenswĂŒrdigere Alternative zu sehen, die in der Lage ist, die Menschen zu bewegen und ihnen Hoffnung fĂŒr die Zukunft zu geben. Texte und Musik sind nach wie vor eine groĂartige Kombination, um Gedanken und Emotionen zu inspirieren und eine neue Richtung fĂŒr den bevorstehenden Weg aufzuzeigen. Musik kann uns vom Alltag ablenken und uns zu konstruktiveren Geschöpfen machen. Genau dies ist der unbezahlbare Zusatz-Nutzen von Musik: die Wirkung eines Songs, egal woher er auch stammt, kann im besten Fall die Relevanz des eigentlichen Textes und der Melodie weit ĂŒbersteigen.
âItâs All About The Songâ: Wie âBegginâ ein uraltes Branchen-Gesetz belegte.
Es gibt zahlreiche Bespiele fĂŒr Songs, die ein quasi ĂŒberirdisches Dasein angenommen haben. Vor drei Jahren erschien, kurz vor dem Kollaps des weltweiten Finanzkartenhauses, ein Lied, das der maroden Musikindustrie fast im Alleingang neue Energie einspeiste. Die ĂŒberarbeitete Version des Frankie-Valli-Klassikers âBegginââ aus dem Jahre 1967 verbreitete Lebensfreude und Optimismus und fand seinen Weg in die Plattensammlung und auf Festplatten von mehr als einer Million Menschen in Europa und in den USA. In Norwegen, Belgien, Holland, Russland, Portugal und Frankreich erreichte der Song Platz 1, in GroĂbritannien, Irland, DĂ€nemark und Deutschland hielt sich âBegginââ wochenlang in den Top 10.
Eindrucksvoll zeigte die Single, wie universelle Werte wie Liebe und PositivitÀt nebst Gute-Laune-Faktor von nahezu allen Menschen immer noch hoch geschÀtzt werden.
Produziert wurde der Song vom islĂ€ndisch-norwegischen Team 3Elementz, das neben Hitesh Ceon aus zwei der talentiertesten Musiker Norwegens besteht, Kim Ofstad und Johnny Sjo (DâSound).
Der ĂŒberwĂ€ltigende Erfolg von Madcon zeigt einmal mehr deutlich, was in der Musikindustrie immer wieder am allerbesten funktioniert: Songs, die uns ein gutes GefĂŒhl geben und zum Tanzen bringen, werden immer einen Platz in unserem Leben haben.
Madcon: auf Du und Du mit der internationalen Pop- und HipHop-Elite.
Musik kennt keine geographischen und Genre-spezifischen Grenzen, das ist mittlerweile allgemein bekannt. Madcons Pop-Appeal verknĂŒpft auf feinste Art und Weise Retro-Sounds mit Urban Flavour und vereint EinflĂŒsse aus Soul, Funk, HipHop, Reggae, Latin und afrikanischer Musik. Man kann ihre Musik jederzeit bedenkenlos all jenen empfehlen, die auf OutKast, The Roots, Gnarls Barkley und die Black Eyed Peas stehen.
Auch auf der BĂŒhne sind die beiden lĂ€ngst Meister ihres Fachs, gestĂ€hlt durch unzĂ€hlige Support-Auftritte im Vorprogramm von Acts wie Destinyâs Child, 50 Cent, Alicia Keys, Wu-Tang Clan, Saian Supa Crew, Clipse, Redman und Busta Rhymes. DarĂŒber hinaus absolvierten sie 37 Konzerte auf einer Europatour mit Gurus Gang Starr.
Auch ihre Vergangenheit als TĂ€nzer kam dem Duo zupass. Ihre ersten Schritte im Musikbusiness machten Yosef und Tshawe bereits im Jahre 1992 im Alter von 14 und 12 Jahren als Mitglieder der Tanz-/HipHop-Kollektivs Mad Conference. 15 Jahre spĂ€ter sollte ihnen die Tanzsport-AffinitĂ€t in ihrer Heimat den endgĂŒltigen Durchbruch zur Mainstream-PopularitĂ€t bescheren. Tshawe und seine Tanzpartnerin Maria Sandvik siegten in der norwegischen TV-Show âSkal vi danseâ, dem Pendant der deutschen Erfolg-Sendung âLetâs Danceâ.
Kurz nach ihrem Triumph erschien âSo Dark The Con Of Manâ, das u.a. den Hit âBegginââ enthielt. Das Album stieg in die norwegischen Top 3 ein und hielt sich 19 Wochen in den Charts, ĂŒber die Weihnachtszeit bis hinein ins neue Jahr. Die Single erreichte Platz 1 und wurde mit 7-fach-Platin ausgezeichnet. Neben zahlreichen weiteren Gold- und Platin-Auszeichnungen erhielt das Duo u. a. auch einen âWorld Music Awardâ.
Dieser Erfolg war fĂŒr Madcon und ihr Management der Beginn der hektischsten, aber auch fruchtbarsten Phase ihres bisherigen Lebens. Die Medien liebten sie einfach. Zwar hatten Tshawe und Yosef seit ihrer Zeit als Hosts der TV-Show âThe Voice Of Madconâ bereits seit einigen Jahren einen relativ hohen Bekanntheitsgrad, aber jetzt waren sie regelmĂ€Ăig in allen Medien vertreten: in Zeitungen und Zeitschriften, im Fernsehen, im Radio und Online. Und sie gaben einige verdammt groĂe (und gut bezahlte) Konzerte. Selbst ihr Manager Peter Peters wurde als Jury-Mitglied der Sendung âX Factorâ zum Celebrity.
Die nÀchsten Schritte.
Ein kontinuierlich hohes MaĂ an kommerziellem Erfolg aufrecht zu erhalten, gehört in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten wohl zu den kniffligsten Aufgaben einer Band. Unentwegt grĂ€tschen neue SĂ€nger und Bands in den Veröffentlichungspausen dazwischen, bereit, alles zu tun, um die Aufmerksamkeit der potenziellen PlattenkĂ€ufer zu gewinnen. Nicht selten verlieren Musiker mit den Jahren ihren Spirit. Nicht so Madcon. Auch wenn âBegginââ und âSo Dark The Con Of Manâ ihnen jeweils Arbeit fĂŒr zwei bis drei Menschenleben bescherten, bewahrten sich die beiden ihre Energie, konzentrierten sich immer wieder auf ihre nĂ€chsten Aufgaben und gingen so ihren Weg.
Das Follow-Up-Album âAn InCONvenient Truthâ erschien 2008, brachte den Hit âLiarâ hervor (Platz 2 in Norwegen) und hielt sich 14 Wochen in den dortigen Charts. Die neu hinzugekommenen Madcon-Fans entdeckten nun auch die Kollaborationen, die Tshawe und Yosef mit den Paperboys aufgenommen hatten, lange vor ihrem Durchbruch mit âBegginââ. Bereits im Jahr 2000 hatte das Duo mit der Single âGod Forgive Meâ sein Veröffentlichungs-DebĂŒt gefeiert, damals waren die beiden gerade einmal 22 und 20 Jahre alt. SpĂ€ter gelang ihnen mit âBarcelonaâ ihr erster Top-10-Hit.
Das erste Madcon-Album âItâs All A Madconâ erschien 2004 und enthielt mit âDoo Wopâ einen Song, der ihnen u. a. einen norwegischen Grammy in der Rubrik âHipHop/R&Bâ einbrachte. Mittlerweile haben die beiden fĂŒnf dieser Preise im Schrank stehen.
Auch mit ihrem neuen Album âContrabandâ bleiben Madcon ihrer Linie treu. Bei den Songs, darunter der Hit âGlowâ (der in Deutschland kurz vor Platin steht) oder der neuen Single âFreaky Like Meâ, achten Madcon nicht nur auf höchste musikalische QualitĂ€t, stets ist den beiden auch wichtig, dass Lebensfreude, SpaĂ und eine allgemeine positive Sicht der Dinge jederzeit spĂŒrbar ist â im Gegensatz zur betont toughen âdas Leben auf der StraĂe ist verdammt hartâ-Message, die zahlreiche andere HipHop-Artists verbreiten.
Madcon haben gezeigt, dass man viel gewinnen kann, wenn man einfach man selbst bleibt. Und sollte jemand irgendwann tatsĂ€chlich auf die Idee kommen, ihren Style kopieren zu wollen, so wird dies wohl in einer groĂen EnttĂ€uschung enden. Denn die Lektion, die die meisten Menschen von Madcon lernen können, lautet: die FrĂŒchte ihrer Arbeit ernten meist nicht diejenigen, die versuchen, dazu zu gehören oder jemand anderes zu sein, sondern solche, die den Mut haben, anders zu sein und aufzufallen.