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CD-DETAILS CHEVROTINE [HOLDEN]

Holden

Chevrotine [Pop]


RELEASE: 27.04.2007


LABEL: Le Pop Musik

VERTRIEB: Groove Attack

WEBSITE: www.holden.fr

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Holden, die neuen Lieblinge der Pariser Szene!

Hier kommt einer der ungewöhnlichsten Acts auf der französischen Musiklandkarte! Holden, die fünfköpfige Band um das Songwriterpaar Armelle Pioline (Gesang und Gitarre) und Mocke (Gitarre), formulieren mit ihrem dritten Album "Chevrotine" einen einzigartigen Popentwurf jenseits aller Genres: Von Electronica bis Chanson, von 30er Jahre Jazz bis Krautrock, von Indiepop bis Spaghettiwestern-Soundtrack, von Exotica bis Psychedelic reicht der faszinierende musikalische Horizont Holdens. Zusammengehalten und zu einer Einheit geformt wird das Ganze durch Armelle Piolines elegant-entrückte Stimme und die raffinierte Produktion von Atom Heart (alias Uwe Schmidt, alias Señor Coconut), die dem Album einen sanft fliessenden Groove verleiht. "Chevrotine", in Frankreich bereits 2006 erschienen, ist Holdens erste Veröffentlichung in Deutschland und gehört sicherlich zu den interessantesten und schönsten Alben dieses Frühjahrs.

Holden debütierten 1998 mit dem Album "L'Arrière-Monde" beim legendären Pariser Lithium Label (Françoiz Breut, Dominique A, Jérôme Minière...). Mit ihren ausgefeilten Melodien und einem enormen Gespür für Klangfarben waren sie schon damals mehr als eine hoffnungsvolle Indieband. Was noch fehlte war ein kongenialer Produzent, der das Potential ihres Sounds zu voller Blüte bringt. Bereits für das zweites Album hatten sie ihn gefunden. "Pedrolira" (2003) wurde – wie jetzt auch "Chevrotine" – von Uwe Schmidt in dessen Wahlheimat Chile produziert. Der gebürtige Frankfurter, der sich unter diversen Pseudonymen (darunter Lassigue Bendthaus, LB, Atom Heart) zu einer Produzentenkoryphäe entwickelt hat, wurde am bekanntesten in seiner Inkarnation als Señor Coconut mit den lässigen Kraftwerk-Interpretationen im Cha-Cha-Cha-Stil.

Gitarrist Mocke: "Wir sind große Fans seiner Herangehensweise an Musik und seines Gefühls für Arrangements. Wir haben nach einem Soundkünstler gesucht, der ein gutes Händchen für Klänge hat. So sind wir auf die Idee gekommen, Atom Heart ein Demo zu schicken. Zu unserer Überraschung hat er angerufen und gesagt: "Ich habe grosse Lust, mit euch zu arbeiten"." Pariser Eleganz trifft auf die flirrende Atmosphäre von Santiago de Chile – nicht der einzige vermeintliche Gegensatz, der sich bei Holden als fruchtbar entpuppt: So fügt sich Mockes fast surreales Gitarrenspiel – das mal an Django Reinhardt, mal an Pink Floyd erinnert – geschmeidig an das warme Timbre von Armelle Piolines erhaben-sehnsuchtsvoller Stimme, bei der wiederum viele an klassische Vorbilder denken: "Es gibt die verbreitete Ansicht, dass meine Stimme bekannten französischen Chanteusen aus den Sechzigern wie Françoise Hardy ähnelt. Das ist nach allgemeiner Vorstellung sehr französisch. Aber wir als Franzosen empfinden uns als atypische französische Band", so Armelle.
Vielleicht macht sie gerade das momentan zum Liebling der Pariser Szene. In den Jahrescharts der 'Libération' landeten sie auf Platz vier gleich hinter den Arctic Monkeys und vergangenen Dezember gaben Holden ein Konzert im Pariser La Cigale mit diversen Gastmusikern der Nouvelle Scène wie Vincent Delerm, Jeanne Cherhal oder Albin de la Simone – allesamt große Fans der Band.
Mocke: "Uns ist es sehr wichtig, auf Französisch zu singen. Zum einen weil es zu unserem Kosmos gehört, zum anderen auch, um den Franzosen etwas in unserer Sprache zu geben, das nicht typisch für das Chanson ist." Armelle ergänzt: "Es gibt eben tausend Weisen, sich auf Französisch auszudrücken und zu singen." Gibt es dennoch Einflüsse aus der Welt des Chanson? Armelle: "Es sind keine direkten Einflüsse, aber es gibt natürlich Künstler, die wir sehr bewundern. Edith Piaf, Boris Vian und natürlich Serge Gainsbourg." Mocke: "Die ersten Platten von Brigitte Fontaine. Da bin ich Megafan, und das ist auch ein wichtiger Einfluss für mich."

Untypisch-typisch für Holden ist ein warmer, psychedelisch groovender Soundteppich, auf dem die Songs eindrucksvoll zur Entfaltung kommen. Bereits der Opener "Ce que je suis" besticht durch eine subtile Melodie, die sich langsam kaleidoskopartig auffächert, bis sie einen nicht mehr loslässt. Und auch wenn im Laufe des Albums die Tempi und Klangfarben wechseln, vom eindringlichen "Charlie, Rosie et moi" über die Uptempo-Nummern "Madrid", "Sur le pavé" oder "Comme une fille" bis hin zu hypnotischen Ambient Chansons wie "Les cigales" und "En septembre" – Chevrotine durchzieht eine suggestive Grundstimmung voller Wärme, Eleganz und leiser Melancholie.

Was bereits beim Vorgängeralbum "Pedrolira" zu hören war (von dort stammt Holdens Beitrag zu Le Pop 2, das traumhafte "Tunis") wird auf "Chevrotine" konsequent weiterentwickelt: die gegenseitige Befruchtung von Sound und Song.
Mocke: "Ich mag elektronische Musik, ich bin davon überzeugt, dass es eine Art Koexistenz zwischen elektronischer Musik und Holden gibt. Oftmals finden sich Musiker aus der elektronischen Szene in unserer Musik wieder, auch wenn sie sonst mit Gitarrenmusik nichts anfangen können. Ich finde das interessant. Vor allem, wenn es so jemand ist wie Uwe (Schmidt aka Atom Heart), in meinen Augen wirklich ein Künstler. Auch wenn er 'nur' hinter dem Computer sitzt, ist er doch ein vollwertiger Musiker. Er bearbeitet Tonvorlagen und macht daraus etwas Unglaubliches."

Bei aller produktionstechnischen Raffinesse bleibt die Musik von Holden immer organisch und klingt in keinem Augenblick artifiziell. Das liegt nicht zuletzt am überzeugenden Spiel der anderen Bandmitglieder (Bass: Cristóbal, Keyboard: Evans Evans, Schlagzeug: Pierre Jean Grappin), die jeder auf seine Weise einen sehr charakteristischen Soundbeitrag leisten. Auf dem Stück "L’Orage" gesellt sich zudem der in Frankreich seit 20 Jahren erfolgreiche Songwriter Jean-Louis Murat als Duettpartner dazu.

Mocke über das weit reichende Einflußspektrum Holdens: "Alle in der Band sind große Jazz-Fans. Für mich ist das schon seit langer Zeit eine Leidenschaft. Ende der Fünfziger, Anfang der Sechziger ist eine Epoche, in der sich unglaublich viel getan hat. Die Geburtstunde des Freejazz. Die ersten Platten von Ornette Coleman. Und in den Fünfzigern gab es Leute wie Monk. Ich mag auch die frühen Vierziger, Duke Ellington und Charlie Parker...ausserdem habe ich mich in Filmmusik verliebt. Etwas spät, aber dann gewaltig." Bands aus Deutschland? Mocke: "Kraftwerk ist für mich eine großartige Rockband." Armelle: "Tarwater!" Mocke: "Can ist eine meiner Lieblingsbands. Hätte ich die doch fast vergessen!"

Die Grenzgänge zwischen Stilen und Orten prägen seit jeher die Musik von Holden. Mocke: "Wir sind Menschen in einer sehr urbanen Umgebung. Wir reden viel über unsere Stadt. Gleichzeitig gibt es bei uns das immer wiederkehrende Motiv der Flucht. Das kann eine imaginäre Flucht sein, die nur im Kopf stattfindet oder aber die tatsächliche Flucht aus der Stadt. Nach woanders abzuhauen, in eine andere Stadt oder aber nur in der Fantasie, das zieht sich durch wie ein roter Faden." Ein gutes Beispiel dafür ist der potentielle Hit "Madrid", ein Stück von magischer Eleganz, das auch auf der zeitgleich zu "Chevrotine" erscheinenden Compilation "Le Pop 4" vertreten ist.

Armelle: "Mocke und ich waren immer viel und gerne unterwegs. Vielleicht war das der Hauptgrund, warum wir Musiker geworden sind. Der Job ermöglicht es, viel auf Reisen zu gehen. Ich finde es generell für das Leben wichtig, mitzubekommen, was woanders passiert. Und darüber hinaus ist das Reisen eine Inspirationsquelle. Wir wollen keine Hippie-Vagabunden-Musik machen, aber es geht darum, bestimmte Einflüsse von den Reisen mitzunehmen und musikalisch zu reproduzieren."

Indem sie an einem modernisierten Entwurf französischsprachigen Pops arbeiten, docken Holden perfekt an das Le Pop-Spektrum an: innovativ, experimentierfreudig, die Grenzen des Chanson stetig erweiternd und dabei immer sehr Pop! Gleichzeitig werden Freunde urbaner, elektrifizierter Popmusik oder von Indietronic-Acts wie Broadcast, Hot Chip und Stereolab ihre helle Freude an "Chevrotine" haben.
Holden machen da weiter, wo Chanson aufhört.

Tracklisting:
01. Ce Que Je Suis
02. Charlie, Rosie Et Moi
03. Madrid
04. Sur Le Pavé
05. Les Cigales
06. L’Orage feat. Jean-Louis Murat
07. Quelque Chose En Moi
08. Comme Une Fille
09. L’Essentiel
10. En Septembre
11. Dès Demain

(Quelle: Groove Attack, 20.3.2007)


FORMAT: CD


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