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 FĂŒhlen sich jung und verhalten sich auch so: The Noisettes Foto. (c) Universal Music 2009

WEBSITE: www.thenoisettes.com/
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Wer sich mit den Noisettes einlĂ€sst, kann sich am besten gleich auf alles gefasst machen. Hier werden sĂ€mtliche Register gezogen. Zwei Jahre nach der Veröffentlichung ihres DebĂŒtalbums "What's The Time Mr Wolf?", einer Scheibe, die den Geist des Punk mit versengten Bluesrock-Elementen vermĂ€hlte, meldet sich das Trio aus London nun mit âWild Young Heartsâ zurĂŒck, einem Albumtitel der BĂ€nde spricht und fĂŒr eine ganze Palette von Popsongs steht, die sie im Soul ertrĂ€nkt, auf die Disco-TanzflĂ€che geschickt oder in die Blues- und Jazz-Ăra katapultiert haben.
Dank Songs wie âSaturday Nightâ, einer druckvollen Electro-Rock-Nummer, der ersten Single âDonât Upset The Rhythmâ, die mit galoppierenden Funk-Einlagen durchbrennt, dem ausgelassenen TitelstĂŒck (im Jazzgewand), dem dreist an den Soul der Sechziger anknĂŒpfenden âNever Forget Youâ oder dem schwĂŒl-schillernden Popsound von â24 Hoursâ, steht jetzt schon fest, dass die Noisettes mit âWild Young Heartsâ ein Album aufgenommen haben, das in Sachen KĂŒhnheit dieses Jahr kaum zu ĂŒbertreffen sein wird.
Schon immer allergisch gegen feste Strukturen und Strickmuster, war dem Trio von Anfang an klar, dass sie mit dem Nachfolger von "What's The Time Mr Wolf?" in eine ganz andere klangliche Kerbe schlagen wĂŒrden. Und das, obwohl ihr DebĂŒtalbum fĂŒnf Singles hervorbrachte und dafĂŒr sorgte, dass sie ĂŒber ein Jahr lang pausenlos auf Tour waren: Sie teilten sich unter anderem mit Muse StadionbĂŒhnen und tourten mit angesagten Bands wie TV On The Radio und Bloc Party mehrfach durch die Staaten.
âEs gibt halt Bands, die immer denselben Style prĂ€sentierenâ, sagt SĂ€ngerin Shingai Shoniwa, deren wandlungsfĂ€hige Stimme ihr bereits Vergleiche mit so unterschiedlichen Frauen wie Deborah Harry, Kate Bush, Billie Holiday und Diana Ross beschert hat. âDiese Bands finden zusammen, weil die Leute einen Ă€hnlichen Musikgeschmack haben; und dann machen sie bis in alle Ewigkeit den gleichen Sound. Wir sind zwar auch eine Gang, aber wir sind zugleich drei Diven mit ganz unterschiedlichen Plattensammlungen. Andauernd schleppt einer von uns neue Musik an und zeigt sie den anderen; mal ist es afrikanische Musik, mal Jazz, mal Van Morrison oder Black Sabbath. Musik zu machen bedeutet fĂŒr uns, mit offenen Ohren durch die Welt zu gehen.â
Wie nicht anders zu erwarten, haben Noisettes einen eher untypischen Weg gewĂ€hlt, als es darum ging, neue Songs fĂŒr ihr zweites Album zu schreiben: Gerade erst von ihrer Sommertour 2007 zurĂŒck, machten Gitarrist Dan Smith (ein Typ, der dafĂŒr bekannt ist, mit Pailletten besetzte, gelbe Hemden mit silbernen Hosen zu kombinieren) und der bĂ€rtige Drummer Jamie Morrison (der scheinbar noch immer nicht fassen kann, dass er ĂŒberhaupt in irgendeiner Band aufgenommen wurde) erste Klangexperimente, die zum Teil daraus bestanden, breit ins Naturgeschichtliche Museum zu gehen, um gleich im Anschluss Mainstream-Hits wie Britneys âHit Me Baby (One More Time)â zu covern.
âWir haben zu diversen grandiosen, waschechten Popsongs geschrieben und dann die Hintergrundspur entfernt und geschaut, was ĂŒbrig bleibtâ, berichtet Morrison. âKeines der Resultate dieser Sessions ist auf dem Album zu hören, aber die Herangehensweise inspirierte uns zu vollkommen neuen AnsĂ€tzen und einer ganz anderen Art von Songwriting. AuĂerdem haben wir in vielen Clubs abgehangen, und immer wenn wir nach Hause kamen, haben wir versucht, diejenigen Sounds mit eigenen Mitteln zu kreieren, die uns am Abend gefallen hatten. Dadurch haben wir uns von den Konventionen befreit, die man aus der Welt der Gitarrenmusik kennt.â
Im Herbst des Jahres packte die Band ihr Equipment in einen Van und verbrachte ein paar Wochen in verschiedenen (Wohn-)Studios, unter anderem in Devon und Brighton. Unterwegs hörten sie hauptsĂ€chlich frĂŒhe Aufnahmen von Prince und Portishead, Queen, Talk Talk und Fleetwood Mac. Das Motto der neuen Songs brachten sie bald darauf im Albumtitel auf den Punkt: ââWild Young Heartsâ â das bedeutet: sich jung fĂŒhlen und sich wie ein Jugendlicher zu verhalten, ganz egal, wie alt man eigentlich istâ, sagt Smith. âEs geht in erster Linie um SpaĂ und darum, sein eigenes Ding durchzuziehen. Wir drei sind bei der Arbeit an diesem Album noch dickere Freunde geworden. Wir haben uns gemeinsam betrunken und sogar das eine oder andere Hotelzimmer zerlegt. Eigentlich sind wir sehr verschieden, aber zwischen uns ist eine Bindung entstanden, die man in den neuen Songs deutlich raushören kann.â
Die neuen StĂŒcke unterzogen sie bei einigen Konzerten im letzten Jahr auch gleich der Live-Feuertaufe, unter anderem beim South By South West und im Rahmen einer Tour durch Frankreich, wo âDonât Upset The Rhythmâ das Publikum jeden Abend endgĂŒltig zum Ausrasten brachte â spĂ€testens da war den Noisettes klar, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Trotzdem wussten sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht so genau, wie das Album insgesamt klingen sollte; das Ă€nderte sich erst, als sie letzten Juni mit dem Produzenten Jim Abbiss (Arctic Monkeys, Adele) in London ins Studio gingen.
âUns war klar, dass es um Soul und um eine AtmosphĂ€re gehen sollte, die eine ganz bestimmte Zeitspanne einfĂ€ngt, so wie es z.B. die Alben von Portishead tunâ, berichtet Morrison. âDoch hatten wir die Songs nie zuvor gemeinsam in einem Studio gespielt. FĂŒr unsere Demos hatten wir sĂ€mtliche Spuren einzeln auf dem Computer aufgenommen, also ohne die Instrumente zu verwenden. Die Kernidee war, allem ein GefĂŒhl zu geben, als wĂŒrden wir Songs covern, die wir selbst kaum kennen, damit das Album spontan und spannend klingt. Letztendlich hatten wir jede Menge SpaĂ im Studio: Wir haben jeden Tag ein StĂŒck aufgenommen und uns nicht ein einziges Mal gestritten!â
Freunde schauten vorbei, um Bass-Spuren oder Streicher-Parts einzuspielen, und sowohl Shoniwas kleiner Bruder (der bereits im Halbfinale der UK-Talent-Show âIâd Do Anythingâ war), als auch ein Bariton aus ihrem frĂŒheren Kinderchor steuerten den Hintergrundgesang bei. Am verblĂŒffendsten ist jedoch der gewaltige Tonumfang von Shoniwas Stimme: sanft und verfĂŒhrerisch auf âSometimesâ, dem ersten Track des Albums, jazzy auf dem akustischen âAtticusâ, durchdringend und sexy auf âDonât Upset The Rhythmâ, und glasklar und bluesy auf âSo Complicatedâ, einem Update zum klassischen Motown-Sound, und âNever Forget Youâ, einem klaren Singlekandidaten.
âIch bin mit traditioneller Musik aus Simbabwe aufgewachsen: Afrobeat, gemischt mit Reggae und Funk, den meine Onkel spieltenâ, sagt Shoniwa, die in England schon lĂ€ngst zur Fashion-Ikone avanciert ist. âDann habe ich noch Musical studiert und in Chören und Jazz-Bands gesungen. Dan hat fĂŒr mich sogar mal den Auftrag an Land gezogen, in einer Diana-Ross-Coverband zu singen. All diese Erfahrungen ermöglichen es mir, jede Art von Song zu singen â ganz egal, ob es nun eine zuckersĂŒĂe Soul-Ballade ist, ein Jazz-StĂŒck oder eben richtig lauter Rockânâroll.â
âWir alle hatten den Eindruck, dass Shingais Stimme auf dem ersten Album etwas unterfordert warâ, fĂŒgt Smith hinzu. âWeil die meisten Songs auf einer Gitarrenspur basierten, konnte sie sich einfach nicht so gut einbringen. Shingai hat eine unglaubliche Jazz-Stimme, aber davon hat man auf der ersten LP zum Beispiel gar nichts mitbekommen. Jetzt kann man all ihre unterschiedlichen Stimmungen deutlich raushören. Ihr Gesang gibt dieses Mal den Ton an, das war bei jedem der neuen Songs so. Im Fall von âNever Forget Youâ klingt sie vollkommen positiv, und der Text klingt fast schon wie ein lockeres GesprĂ€ch in einer Bar. Auf âEvery Now And Thenâ gibt sie sich dann eher melancholisch und nachdenklich. Dieser Kontrast entspricht in etwa der Situation, Samstagabend auszugehen, um gleich am nĂ€chsten Morgen die Quittung dafĂŒr zu bekommen.â
Trotz all der VerĂ€nderungen gibt es eine Sache, die man als Konstante im Noisettes-Universum bezeichnen muss: ihre Live-Show. Die Energie, mit der sie jede BĂŒhne rocken. WĂ€hrend sie von der Zeitung The Guardian bereits als âbeste Live-Band GroĂbritanniensâ gefeiert wurden, konnte man Shoniwa bei einer kĂŒrzlich absolvierten Show in London sogar dabei zusehen, wie sie mit Gitarre und Mikro ins Publikum stĂŒrmte, um dann auf einer Leiter, die von der Decke baumelte, den Rest des Songs zu performen. Kein Wunder, schlieĂlich hat sie als Teenager auch an Zirkustricks gearbeitet...
âViele junge Bands scheinen gar nicht erst auf die Idee zu kommen, eine richtig krasse Show zu liefernâ, sagt Shoniwa. âWir gehen jedes Mal einen Schritt weiter und setzen noch einen drauf, um dem Publikum einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Ich stehe voll auf KĂŒnstler wie Hendrix und Bowie, die auch auf ihre Frisur geachtet und sich Zeit genommen haben, um das passende BĂŒhnenoutfit zu finden.â
âUns geht es gar nicht darum, trendy zu seinâ, sagt sie abschlieĂend. âDie Musik ist fĂŒr alle da, aber unsere Band zeichnet sich nun mal dadurch aus, dass wir auch andere Aspekte mit einbeziehen. Unser Ziel ist es, den Leuten zu beweisen, dass Popmusik auch heute noch anders klingen und spannend sein kann. Und ich weiĂ, dass wir mit diesem Album den Beweis dafĂŒr liefern können.â
(Quelle: Universal Music Group, 8.4.2009)
FORMAT: CD
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