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CD-DETAILS MONDAY'S GHOSTS [HUNGER, SOPHIE]


Foto: Plattenfirma

Hunger, Sophie

Monday's Ghosts [Jazz]


RELEASE: 27.02.2009


LABEL: Universal Jazz

VERTRIEB: Universal

WEBSITE: www.sophiehunger.com

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Romantik ohne Pathos, Melancholie ohne Wehleidigkeit. Mit ihrer charismatischen Stimme lebt Sophie Hunger ihre Musik zwischen Folk und Soul mit jeder Faser ihres Körpers - darum kommt sie auch ganz ohne Effekthascherei aus. Nachdem Sophie Hunger Anfang des Jahres beim EuroSonic 2008-Festival im niederlĂ€ndischen Groningen vielen anderen Talenten die Schau gestohlen hatte, prophezeite ein Kritiker der renommierten französischen Tageszeitung LibĂ©ration, daß sie “nicht lange das bestgehĂŒtete Geheimnis der Schweiz bleiben wird”. Und diese Prophezeiung scheint sich nun zu erfĂŒllen. Denn mit ihrem kĂŒrzlich in der Schweiz veröffentlichen neuen Album “Monday’s Ghost” katapultierte sich Sophie Hunger gleich auf den ersten Rang der Popalbum-Charts hoch und ließ dabei gestandene Acts wie Bushido, die Söhne Mannheims und Metallica im Windschatten liegen.

Das VerblĂŒffende daran ist, dass Sophie dieses KunststĂŒck nicht etwa mit am Reißbrett entworfenen Format-Pop vollbrachte, sondern mit eigenwilligen, manchmal fast schon widerborstig zu nennenden Nummern, die stilistisch zwischen folkiger Singer/ Songwriter-Tradition, atmosphĂ€rischem Jazz, Indie-Pop und balladeskem Soul mĂ€andern.

Sophie Hungers musikalischer Werdegang liest sich wie ein modernes MĂ€rchen. Noch vor zwei Jahren war die 1983 geborene Schweizerin selbst in ihrer Heimat ein vollkommen unbeschriebenes Blatt. Dann veröffentlichte sie ihr in Eigenregie produziertes DebĂŒtalbum “Sketches On Sea” und verkaufte davon, ohne die Promotionmaschine einer großen Schallplattenfirma im RĂŒcken zu haben, nach und nach einige Tausend Exemplare. Doch nicht nur beim Schweizer Publikum weckte die NachwuchskĂŒnstlerin mit ihrer nonkonformen Musik Interesse: schon bald erhielt sie von namhaften Kollegen wie dem Jazz-Trompeters Erik Truffaz, der Industrial-Band The Young Gods und dem Rock-Chansonnier Stephan Eicher (der auf “Monday’s Ghost” einen Gastauftritt hat) Einladungen, die BĂŒhne mit ihnen zu teilen.

Doch zurĂŒck zu den AnfĂ€ngen. Als Tochter eines Diplomaten und einer Politikerin kam Emilie Jeanne-Sophie Welti Hunger am 31. MĂ€rz 1983 in Bern zur Welt, verbrachte einen guten Teil ihrer Kindheit aber in London, Teheran und Bonn. Mit neun Jahren erhielten die Diplomatentochter fĂŒr kurze Zeit Klavierstunden, die aber keine besonderen FrĂŒchte trugen und schon bald wieder drangegeben wurden. Zur Musik fand sie erst mit 19 Jahren wieder zurĂŒck. Nachdem sie in ZĂŒrich ihre Matur (ihr Abitur) bestanden hatte, stieg sie als SĂ€ngerin bei der Band Fisher ein, die Indie-Rock mit souligem Einschlag spielte. Freilich ohne großen Erfolg. Richtig wachgekĂŒĂŸt wurde Sophie von der Muse mit 23 Jahren, als sie ihren ersten eigenen Song komponierte. So unglaublich es klingt, aber schon ein paar Monate spĂ€ter hatte die frischgebackene Songschreiberin genĂŒgend selbstverfaßtes Material beisammen, um in den eigenen vier WĂ€nden binnen weniger Tage ihr charmant ungeschliffen klingendes erstes Album aufzunehmen: “Sketches On Sea”. Das Album gab einen Einblick in Sophies musikalische Welt: eine Welt ohne stilistische Grenzen, bevölkert von so unterschiedlichen Musikern wie einem Jazzposaunisten und einem Flamenco-Gitarristen. Dann nahmen drei kompetente Leute - der Radiomoderator GĂ©rard Sutter (eine Art John Peel des französischsprachigen Teils der Schweiz), Patrick David (Manager der Young Gods) und Christian Fighera (der Betreiber des Labels Gentlemen Records) - Sophie Hunger unter ihre Fittiche. Nicht etwa, um die Ecken und Kanten in ihrer Musik abzuschleifen, sondern um dem hoffnungsvollen Talent gemeinsam den Weg zu ihrem zweiten Album “Monday’s Ghost” zu ebnen und neue Horizonte zu eröffnen.

“Ich verstehe nicht viel von Musik”, offenbarte Sophie Hunger vor kurzem kokett einer Journalistin des Schweizer Tagblatts. “Ich kann kaum Gitarre spielen. Gleiches gilt fĂŒr mein Pianospiel - und das Singen habe ich nie erlernt.” Dieser Unbedarftheit ist es wohl auch zu verdanken, daß “Monday’s Ghost”, obwohl Sophie fĂŒr die neuen Aufnahmen in ein richtiges Tonstudio gehen konnte, immer noch etwas von der Ungeschliffenheit und Direktheit von “Sketches On Sea” hat.

Entstanden ist “Monday’s Ghost” innerhalb von zwei Wochen im Studio du Flon in Lausanne sowie im BrĂŒsseler ICP-Studio, und die Produktion lag diesmal in den HĂ€nden von Marcello Giuliani, der bereits mit GrĂ¶ĂŸen wie Étienne Daho, Jane Birkin, Henri Salvador und Erik Truffaz zusammenarbeitete. Begleiten ließ sich Sophie nicht von einer ad hoc zusammenwĂŒrfelten Studioband, sondern von den Musikern, die derzeit ihr festes Ensemble bilden. “Mit Leuten, die ich nicht kenne, könnte ich weder eine BĂŒhne betreten noch in ein Aufnahmestudio gehen”, gesteht Sophie. “Um meine Musik zu machen, brauche ich Leute, die mir vertrauen. Die Musiker, die mich auf diesem Album begleiten, treten auch immer mit mir auf: Christian Prader als Flötist, Gitarrist und Pianist, Michael Flury als Posaunist und Marcello Giuliani als Bassist.” Schlagzeuger Julian Sartorioz und Bassist Balz Bachmann komplettieren die Band mittlerweile. FĂŒr die Umsetzung von Sophies musikalischen Vorstellungen sind diese Musiker mit ihren ArrangierfĂ€higkeiten unersetzlich. Die junge Schweizerin selbst spielt auf dem Album Piano und Gitarre.

Die Songs von “Monday’s Ghost” erzĂ€hlen keine Geschichten im herkömmlichen Sinne, sondern reflektieren Impressionen, die jeder Hörer mit eigenen Erlebnissen und EindrĂŒcken in Bezug setzen kann. So drehen sich beispielsweise die Songs “Shape”, “Drain Pipes” und “Teenage Spirit” allesamt um die Idee von Form und Inhalt. “Mich fasziniert der Impuls, der uns alle antreibt. Ob man nun EinfamilienhĂ€user oder Apartmentblöcke baut oder mit Worten SĂ€tze bildet, es lĂ€uft immer auf dasselbe heraus: ein Vakuum zu fĂŒllen oder sich selbst aus einem gigantischen inneren Chaos zu lösen. Wenn man sich daran macht, einen Song zu schreiben, geht man auch so vor: man hat einen leeren Raum oder eine formlose Masse von Ideen, Emotionen und Worten. Und daraus erschafft man einen Song. Das ist faszinierend.”

Mit demselben Scharfsinn betrachtet Sophie Hunger sich selbst und alles, was sie umgibt. Dabei schreckt sie auch nicht vor den Tiefen eher schwindelerregender Fragen zurĂŒck (zu “Rise And Fall” inspirierte sie eine von dem alemannischen Mundartdichter Johann Peter Hebel - 1760-1826 - geschriebene Kurzgeschichte) oder vor Konfrontationen mit Erinnerungen, die bitter sein mögen... Gerade wenn ein KĂŒnstler der RealitĂ€t ins Auge blickt, erreicht er sein Ziel. Auf diese Weise entstanden zum Beispiel die Lieder “Beauty Above All” und “The Tourist” (die beiden Nummern, die fĂŒr “Monday’s Ghost” noch einmal grĂŒndlich ĂŒberarbeitet wurden, erschienen schon auf “Sketches On Sea”), aber auch “Birthday”. In einem StĂŒck mit dem brisanten Titel “The Boat Is Full” nimmt Sophie ihre Heimat Schweiz kritisch unter die Lupe: “Die Phrase ‘Das Boot ist voll’ wurde von einem der FĂŒhrer der Schweizer Ultranationalisten verwendet, um die Schließung der Grenzen fĂŒr Immigranten zu rechtfertigen”, erlĂ€utert Sophie Hunger. “Nun, wenn es eine Sache gibt, durch die ich mich mit der Schweiz heute verbunden fĂŒhle, dann ist es mein Wille, mich nicht mit dem gegenwĂ€rtigen politischen Klima abzufinden. Ich lehne diese Engstirnigkeit, diesen Mangel an Offenheit gegenĂŒber anderen und dem Rest der Welt vollkommen ab. Aber gleichzeitig fĂŒhle ich mich auch verantwortlich fĂŒr mein Land und mein Volk. Ansonsten hĂ€tte ich ein solches Lied nicht geschrieben.”

Was Sophie Hunger aus dem anschwellenden Meer der zeitgenössischen Songschreiberinnen hervorhebt, ist zum Beispiel die Kombination von IntegritĂ€t und Reife, die sie auf “Monday’s Ghost” beweist. Deshalb greifen Vergleiche mit vielen anderen ReprĂ€sentantinnen dieses heteromorphen Genres auch ins Leere: Sophie Hunger ist keine neue Norah Jones und will es auch gar nicht sein. Eine musikalisch-geistige Verwandtschaft besteht da schon sehr viel eher zur Kanadierin Leslie Feist, deren phĂ€nomenalen Erfolg bei Kritik und Publikum man auch nur schwer erklĂ€ren kann. Sophie Hunger hat ihre eigene Nische gefunden und trifft mit ihrer Musik, wie bejubelte Konzerte in England und Frankreich schon zeigten, offenbar nicht nur den Nerv ihrer Schweizer Hörer/innen.

Musiker:

Sophie Hunger - vocals, guitars & piano / Marcello Giuliani - guitars, e-bow & basses / Michael Flury - trombone / Christian Prader - flutes, acoustic guitar, harmonica, piano / Alberto Malo - drums & percussion / Evelinn Trouble - vocals (2) / John Dickinson - vibraphone (4 & 10) / BenoĂźt Corboz - Hammond B-3 organ (9) & additional piano (10) / Frank Heer - cello (10) / Patrik Schmid - drums (13)

Tracklisting:

1. Shape
2. Round And Round
3. The Tourist
4. Birth-Day
5. Monday's Ghost
6. House of Gods
7. Teenage Spirit
8. The Boat Is Full
9. Rise And Fall
10. Walzer FĂŒr Niemand
11. Beauty Above All
12. A Protest Song
13. Drainpipes

(Quelle: Beatsinternational, 9.1.2009)


FORMAT: CD


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