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CD-DETAILS ZUHAUSE [HOFF, KITTY]

Hoff, Kitty

Zuhause [Jazz]


RELEASE: 24.04.2009


LABEL: Blue Note

VERTRIEB: EMI Music

WEBSITE: www.kittyhoff.de

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Die Sängerin, die sich selbst gerne als glückliche Melancholikerin bezeichnet, ist wieder da. „Zuhause“ nennt die in Berlin lebende Chansonsängerin Kitty Hoff ihr drittes Album, mit dem sie auf dem Jazzlabel Blue Note als erste deutsche Künstlerin ihren Einstand gibt. Seit ihrem 2007 erschienenen Album „Blick ins Tal“, das ihr im letzten Jahr den Lale-Andersen-Preis für gehobene Unterhaltungsmusik bescherte, ist sie nicht länger Geheimtipp des deutschen Chansons, sie ist vielmehr eine seiner impulsgebenden Protagonistinnen. Auf dem Coverphoto balanciert sie lächelnd auf der Bettkante eines nostalgisch anmutenden Zimmers – und verspricht damit erneut den für sie typischen musikalischen Spagat zwischen Tradition und Moderne, Gewicht und Leichtigkeit. Und doch hat die Sängerin, Musikerin und Komponistin, deren Songs tatsächlich erst einmal zuhause am Klavier entstehen, ihren musikalischen Horizont noch einmal erweitert. Ihre „Nouvelles Chansons“ haben an Souveränität und stilistischer Finesse gewonnen, sind „erwachsener“ geworden, wie sie selbst sagt.

Und es gibt weitere Neuerungen auf ihrem aktuellen Album. Da sind erst einmal mit dem Bassisten Moe Jaksch und dem Pianisten und Keyboarder MarQ Wenzel zwei neue Musiker in den Kreis ihrer Begleitband Forêt-Noire aufgenommen worden, die mit dem Schlagzeuger Beat Lee Burns und dem Gitarristen, Mischer und Produzenten Phil Marone auch auf altbewährte Kräfte vertrauen kann. Der „Schwarzwald“ ist also frisch aufgeforstet, was sich auch auf die musikalische Linie ausgewirkt hat, die sich bewusst ein Stück mehr von der nostalgischen Chansontradition entfernt hat, um mit jener Offenheit für andere stilistische Einflüsse aufzuwarten, die in Frankreich längst selbstverständlich geworden ist. Überraschend präsentiert Kitty Hoff nun auch zwei frankophone Duettpartner: Coralie Clément, die Schwester des von Kitty Hoff verehrten French-Pop-Genies Benjamin Biolay, singt auf „Riesenräder“ mit apartem Akzent erstmals deutsch und der belgische Chansonsänger Joachim Jannin übernimmt auf „Ort im Grün“ akzentfrei mit einer warmen Bossa Nova-Stimme den männlichen Gesangspart. Mit zwei kleinen Intermezzi (Interlude I und II) und der pfiffigen Nummer „Pension Fuchs“, die eine höchst originelle Melange aus Gypsy-Swing und Dub-Reggae bietet, enthält das Album auch einige Instrumentalstücke: ein musikalisch bunt tapeziertes Zuhause also, neues deutsches Chanson par excellence.

Die musikalische Reise beginnt mit zart-melancholischem Swing über eine „Frau Auf Der Brücke“. Ein innerer Monolog, ein Gedankenfluss, ein Stimmungsbild zwischen Grübelei und dem Glück des Augenblicks. „Mir geht es immer um Bilder, die ineinander greifen und darum, dass die Ästhetik der Sprache und die der Musik zusammenfließen.“ Das gelingt ihr ein ums andere Mal. „Papierkram“, ein Lied über das drohende Versinken in der alltäglichen Papierflut, beginnt mit einem afro-karibischen Rhythmus, der dann allmählich in einen pittoresken Bossa Nova mündet. „Sehr Weit Oben“ ist ein sinnlich-pathetisches Chanson von hypnotisierender Melodik, die ein wenig an Benjamin Biolay erinnert, und besticht durch einen für Hoff typischen hintergründigen Songtext, wo, wie in diesem Fall, der Zirkus eine Metapher für die Sehnsucht nach dem glücklichen Zustand der Schwerelosigkeit ist. Mit dem hitverdächtigen „Mahagoni“ (in gedanklicher Anspielung auf die Brecht/Weill-Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“) nehmen Kitty Hoff und ihre Band Fahrt auf und offenbaren ihr Faible für Reggae-Swing (samt überraschender Steppeinlage). Hervorzuheben sind hier neben hochgradiger Spielfreude der Band Forêt-Noire auch all die brillanten Wortspiele, der lyrische Sprachwitz, mit dem Kitty Hoff immer wieder zu verzaubern weiß.

Geradezu klassisch mit sonnigem Bossa-Nova-Einschlag kommt „Riesenräder“ daher, das verführerische Duett mit der erstmals deutsch singenden Coralie Clément (samt einer französischen Anrufbeantworter-Nachricht von ihr als lässigem Audio-Sample). Gedankenschwere Worte paaren sich mit federleichten Rhythmen – ein weiterer Beweis für Kitty Hoffs elegante Kunst. Hier hört man, wie Kitty Hoff das aktuelle Musikgeschehen in Frankreich für ihre eigenen Belange verinnerlicht hat. Gleich im Anschluss folgt das nächste Duett, das eine märchenhaft anmutende Liebesgeschichte erzählt. Kitty Hoff schlüpft in die Rolle der auf die romantische Liebe wartenden Frau und Joachim Jannin in die des ewig umherreisenden Mannes, ebenfalls auf der Suche nach dem großen Glück. Das finden die beiden in der gemeinsamen Wanderung (begleitet von zärtlichen Streichquartett-Klängen), auf dem Weg zu ihrem „Ort Im Grün“. „Freiheit war schon immer ein großes Thema für mich“ sagt Kitty Hoff „und die gemeinsame Freiheit in der Liebe erleben zu können, ist eigentlich das Wertvollste einer Beziehung“. Das 1-minütige Instrumentalstückchen „Près De Moi“ (komponiert vom Gitarristen Phil Marone) lässt träumerisch die Gedanken abschweifen und führt direkt zu „Unterwelten“, einem orchestralem Stück mit Pop-Appeal, das mit der Zartheit von Goldfrapp beginnt und mit langsam einsetzenden Bläsern dynamisch aufblüht wie Element of Crime in ihren besten Zeiten. Komplex, klug und gutgelaunt auch der Instrumental-Foxtrott „Pension Fuchs“, bei dem sich Kitty Hoff an der Melodica ganz ins Bandgeschehen integriert. Das Großstadt-Gefühl zwischen Trubel und Einsamkeit verhandelt das groovig-wehmütige „Surprise“, das von einem wunderbaren Gitarrensolo verziert wird. Das zweite Interlude „En Planant – Prés De Mois“ ist die motivische Fortsetzung des ersten Interludes und leitet über zu dem spannungsvoll gesprochenem Jazzstück „Weisser Anzug“, bei dem Kitty Hoffs düstere Erzählung über einen dem Leben und sich selbst entfremdeten jungen Mannes und seine zögerlichen Schritte in die Gesellschaft durch einen atmosphärischen Choral begleitet wird. Es erinnert in seiner Art ein wenig an die Kästner’schen Gedicht-Vertonungen aus den 60-er Jahren. Eine heitere Verzweiflung herrscht im nächsten Song „Bad Mood“ vor, einer Cabaret-Preziose, die ironisch das klassenübergreifende Lamento der Gesellschaft präsentiert – ob Bohèmien oder Arbeitsloser, niemand ist je wirklich zufrieden und schwankt zwischen Bequemlichkeit und Revoluzzer-Phantasien. Den Schlusspunkt setzt „Von Eintagsfliegen und Schmetterlingen“, ein beschwingtes Stück akustischer Jazz-Pop, zunächst nur mit Gitarre und Stimme, dann als instrumental hinaustänzelndes Album-Ende mit beschwingtem Charme. Auch hier erweist sich Kitty Hoff einmal mehr als Meisterin geflügelter Worte, die Tiefgründigkeit und Leichtigkeit so sinnvoll wie sinnlich zu verbinden weiß.

Kitty Hoff, Jahrgang 1972, ist im Münsterland aufgewachsen. Zunächst will sie in die Fußstapfen ihres Vaters, eines Psychologen, treten, entscheidet sich jedoch schon früh für die schönen Künste. Sie lernt Klavier und Geige, singt bei ihrem Vater im Kammerchor. Als Teenager bestreitet sie mit einem Pianisten erste Liederabende und ist Preisträgerin bei „Jugend musiziert“. Bevor sie sich endgültig für eine Karriere als Sängerin entscheidet, studiert sie zunächst in Münster Musik und Germanistik, anschließend in Wien Gesang, Schauspiel und Tanz am Theater an der Wien sowie Musical an der Folkwang Hochschule in Essen. Ab Mitte der Neunziger tourt Kitty Hoff immer wieder mit diversen Soloprogrammen, mal nur mit Klavierbegleitung, mal mit einer Jazzcombo, durch Deutschland und wird zweimalige Preisträgerin beim Bundeswettbewerb Gesang Berlin in der Sparte Chanson.

Danach zieht es Kitty Hoff mit Mann und 4-jährigem Sohn nach Berlin, wo sie u.a. einen Meisterkurs bei der Brecht-Diseuse Gisela May belegt und beginnt, eigene Songs zu schreiben. Weiter gefördert wird ihr Talent, das sie auch einige Zeit in einer 9-köpfigen Damenkapelle auslebt, durch ein Tonstudio-Stipendium des Berliner Senats (2004) und durch eine Empfehlung des Goethe-Instituts (2006).

2005 erscheint bei Virgin/EMI das mit ihrer vierköpfigen Begleitband Forêt-Noire aufgenommene Kitty-Hoff-Debüt „Rauschen“, das ihr weitere Förderpreise einbringt und rundum wohlwollende Kritiken. Mag ihr Erstlingswerk musikalisch noch überwiegend von Swing und der Brecht-Schule geprägt sein, erweist sich Kitty Hoff doch als verblüffend eigenständige Stimme, die dem deutschen Chanson auf ebenso charmante wie kluge, gefühlsbetonte wie erfrischend unsentimentale Art und Weise neues Leben einhaucht. Eine neue Diva ist am Firmament aufgetaucht, die sich auch mit ihrem Folgewerk „Blick ins Tal“ (2007) als brillante Schöpferin moderner deutscher Songs zwischen Jazz, Chanson und Pop erweist, die als „sehnsuchtsschön“ (SZ) und „unvergleichlich“ (Tagesspiegel) empfunden werden. Im Stern heißt es: „Der Glamour der 20er ist dank Kitty Hoff im Pop von heute angekommen“. Mit „Zuhause“ hat sich Kitty Hoff nun einer allzu staubigen Nostalgie entledigt, ohne den Glanz zu verlieren, agiert ganz im Hier und Jetzt. Wenn sie Sinnfragen stellt, sollen sie stets Mut machen, denn Kitty Hoff ist ein zutiefst optimistischer Mensch, der im Hause Blue Note ein verdientes „Zuhause“ gefunden hat und fürwahr vertrauensvoll in eine rosige künstlerische Zukunft blicken darf.

Tracklisting:

  1. Frau auf der Brücke
  2. Papierkram
  3. Sehr weit oben
  4. Mahagoni
  5. Riesenräder (feat. Coralie Clément)
  6. Ort im Grün (feat. Joachim Jannin)
  7. Près de moi
  8. Unterwelten
  9. Pension Fuchs
  10. Surprise
  11. En planant – près de moi
  12. Weißer Anzug
  13. Bad Mood
  14. Von Eintagsfliegen und Schmetterlingen

Kitty Hoff libe Tourdates 2009
  • 07.05.2009 Magdeburg - Moritzhof
  • 08.05.2009 Hannover - Expo Café
  • 09.05.2009 Kassel - re:launch im Schlosshotel
  • 13.05.2009 Berlin - Admiralspalast 101
  • 14.05.2009 Leipzig - Moritzbastei
  • 15.05.2009 Heidelberg - Karlstorbahnhof
  • 16.05.2009 Landsberg - Stadttheater
  • 17.05.2009 Darmstadt - Centralstation
  • 18.05.2009 Erlangen - E-Werk
(Quelle: UK-Promotion, 2009)


FORMAT: CD


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